Tiergarten und Siegessäule
Der Große Tiergarten ist der Park, an dem in Berlin alle anderen gemessen werden: rund 210 Hektar Wiesen, Wasserläufe und Wald zwischen Brandenburger Tor und Zoologischem Garten.
Angelegt wurde er im 16. Jahrhundert als eingezäuntes Jagdrevier der brandenburgischen Kurfürsten. Friedrich der Große ließ ihn ab 1742 von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff zu einem öffentlichen Lustpark umgestalten, Peter Joseph Lenné formte ihn zwischen 1833 und 1840 zum Landschaftspark im englischen Stil. Dass er heute so selbstverständlich grün wirkt, ist eine Leistung der Nachkriegszeit: Von rund 200.000 Bäumen waren nur etwa 700 übrig, der Rest zerstört oder als Brennholz verheizt, auf den Wiesen wuchs Gemüse. Ab 1949 wurde neu gepflanzt, mit rund 250.000 gespendeten Jungbäumen.
Wer den Park durchquert, sollte die Hauptachse verlassen: Am Neuen See spiegeln sich die Bäume im Wasser, auf der Luiseninsel steht ein Denkmal der Königin Luise zwischen Blumenbeeten, nahe Schloss Bellevue liegt der Englische Garten von 1952. Im Nordosten grenzt der Park an das Regierungsviertel mit dem Reichstagsgebäude.
Steckbrief Siegessäule
- Höhe
- rund 67 Meter
- Bauzeit
- 1864 bis 1873, Entwurf Heinrich Strack
- Figur
- Viktoria von Friedrich Drake, gut 8 Meter hoch, im Volksmund „Goldelse“
- Standort
- seit 1938/39 Großer Stern, vorher Königsplatz
- Plattform
- in rund 50 Metern Höhe, 285 Stufen
Die Siegessäule erinnert an die Einigungskriege: Begonnen nach dem Krieg gegen Dänemark 1864, wurde sie nach den Siegen über Österreich und Frankreich 1873 eingeweiht. Ursprünglich stand sie vor dem Reichstag; 1938/39 ließen die Nationalsozialisten sie auf den Großen Stern versetzen und um eine Säulentrommel erhöhen. Von der Plattform unter der Viktoria sieht man über das Blätterdach bis zum Fernsehturm – ob sie geöffnet ist, sollten Sie vorab prüfen.
Tempelhofer Feld
Ein Flughafen mitten in der Stadt, der zum Park wurde, ohne dass man viel an ihm veränderte.
Bis 2008 starteten und landeten hier Flugzeuge, am 8. Mai 2010 öffnete sich das Gelände für alle. Auf gut 300 Hektar liegen Wiesen, die beiden langen Start- und Landebahnen und die Rollwege, auf denen heute Skaterinnen, Radfahrer, Drachenläufer und Spaziergänger unterwegs sind. Dass die Fläche so offen bleibt, haben die Berlinerinnen und Berliner selbst entschieden: Beim Volksentscheid „100 % Tempelhofer Feld“ stimmten 2014 rund 64 Prozent der Teilnehmenden für ein Gesetz, das eine Bebauung weitgehend ausschließt.
Am Westrand steht das Flughafengebäude, 1936 bis 1941 nach Plänen von Ernst Sagebiel errichtet und weit über einen Kilometer lang. Während der Blockade 1948/49 landeten hier die Maschinen der Luftbrücke, die West-Berlin versorgten; das Luftbrückendenkmal am Platz der Luftbrücke erinnert daran. Im Osten grenzt das Feld an den Neuköllner Schillerkiez.
„Auf dem Tempelhofer Feld hat man aus einem Flughafen einen Park gemacht, indem man fast alles so ließ, wie es war.“
Tipp
Wind und Sonne einplanen
Auf dem Feld gibt es kaum Schatten, dafür fast immer Wind. Sonnenschutz und eine Jacke gehören auch im Sommer in die Tasche. Das Gelände ist eingezäunt und nachts geschlossen; die Öffnungszeiten richten sich nach dem Tageslicht und stehen an den Eingängen.
Treptower Park und Volkspark Friedrichshain
Zwei Parks aus dem 19. Jahrhundert im Osten der Stadt, beide nach Plänen von Gustav Meyer angelegt, beide mit Denkmälern, die mehr erzählen als die Gartenkunst.
Der Volkspark Friedrichshain, ab 1846 angelegt, gilt als erste kommunale Grünanlage Berlins – gedacht für die Bewohner der dicht bebauten Vorstädte. An seinem Westrand steht der Märchenbrunnen, 1913 nach Plänen von Ludwig Hoffmann vollendet: Rund um die Wasserbecken sitzen Figuren aus den Märchen der Brüder Grimm, viele davon von Ignatius Taschner. Die beiden Hügel im Park sind nicht natürlich. Unter ihnen liegen die gesprengten Reste zweier Flakbunker, überdeckt mit Trümmerschutt; der höhere, im Volksmund „Mont Klamott“, reicht 78 Meter über den Meeresspiegel.
Der Treptower Park an der Spree, 1876 bis 1888 angelegt und rund 88 Hektar groß, war 1896 Schauplatz der Berliner Gewerbeausstellung. Im Park liegt das Sowjetische Ehrenmal, 1946 bis 1949 errichtet: Eine lange Achse mit Sarkophagen führt zum Grabhügel mit der rund zwölf Meter hohen Statue von Jewgeni Wutschetitsch, einem Soldaten mit einem Kind auf dem Arm, unter dessen Stiefeln ein Hakenkreuz zerbricht. Hier sind mehr als 7.000 sowjetische Soldaten bestattet, die 1945 in der Schlacht um Berlin fielen.
Achtung
Das Sowjetische Ehrenmal ist eine Kriegsgräberstätte. Bitte verhalten Sie sich ruhig, klettern Sie nicht auf Sarkophage oder Skulpturen und nutzen Sie die Anlage nicht als Picknick- oder Liegeplatz.
Grunewald und Teufelsberg
Im Westen beginnt der Wald innerhalb der Stadtgrenze: Der Grunewald umfasst rund 3.000 Hektar, vor allem Kiefern und Eichen, und reicht bis an die Havel.
Durch den Forst zieht sich die Grunewaldseenkette mit Schlachtensee, Krummer Lanke und Grunewaldsee. Am Grunewaldsee steht das Jagdschloss Grunewald, 1542 für Kurfürst Joachim II. erbaut und das älteste erhaltene Schloss Berlins. Wälder bedecken insgesamt rund 18 Prozent der Berliner Stadtfläche; der Grunewald ist der bekannteste, nicht der einzige.
Ein Berg aus Trümmern
Der Teufelsberg ist mit rund 120 Metern einer der höchsten Punkte der Stadt – und vollständig menschengemacht. Zwischen etwa 1950 und 1972 kippten Lastwagen rund 26 Millionen Kubikmeter Schutt aus der zerbombten Stadt auf die Ruine einer nie fertiggestellten Wehrtechnischen Fakultät aus der NS-Zeit. Auf dem Gipfel betrieben amerikanische und britische Militärs ab 1957 eine Abhörstation, deren weiße Radarkuppeln bis heute weithin zu sehen sind. Nach dem Abzug der Alliierten 1991 verfiel die Anlage; inzwischen steht sie unter Denkmalschutz und ist voller Graffiti und Wandbilder.
Das Stationsgelände ist in Privatbesitz; Zugang und Besuchsregeln legt der Betreiber fest, bitte informieren Sie sich vorab. Frei zugänglich sind die Waldwege und der benachbarte Drachenberg, auf dem bei Wind Drachen steigen.
Drei Gärten mit Programm
Neben den Volksparks hat Berlin Gärten, die man gezielt besucht – mit eigenem Eingang, eigener Hausordnung und einem Thema.
Die Gärten der Welt in Marzahn entstanden 1987 als Gartenschau und wurden ab 2000 um Themengärten erweitert, vom chinesischen über den japanischen und koreanischen bis zum jüdischen Garten von 2021. Zur Internationalen Gartenausstellung 2017 kam eine rund 1,5 Kilometer lange Seilbahn hinzu, die über den Kienberg mit dem Aussichtspunkt „Wolkenhain“ führt.
Der Botanische Garten in Dahlem, über 43 Hektar groß und 1910 offiziell eröffnet, gehört zur Freien Universität und zeigt mehr als 20.000 Pflanzenarten. Sein Herzstück ist das rund 25 Meter hohe Große Tropenhaus von 1907. Der Britzer Garten in Neukölln entstand für die Bundesgartenschau 1985: Hügel, Wiesen und Beete um einen See, dazu eine funktionierende Windmühle und eine Sonnenuhr von 99 Metern Durchmesser.
| Garten | Bezirk | Größe | Besonders sehenswert |
|---|---|---|---|
| Gärten der Welt | Marzahn-Hellersdorf | rund 43 ha | Chinesischer Garten, Seilbahn über den Kienberg |
| Botanischer Garten | Steglitz-Zehlendorf | über 43 ha | Großes Tropenhaus von 1907 |
| Britzer Garten | Neukölln | rund 90 ha | See, Windmühle, Frühjahrsblüte |
Hinweis
Alle drei Gärten haben eigene Öffnungszeiten und Eintrittsregeln. Bitte prüfen Sie diese vor dem Besuch auf den offiziellen Seiten der Gärten.
Picknick, Grillen, Hunde – und die Anreise
Grillen ist in öffentlichen Grünanlagen grundsätzlich verboten und nur auf ausgewiesenen, beschilderten Grillflächen erlaubt. Davon gibt es in der ganzen Stadt nur wenige; die Bezirke legen sie fest, können sie verlegen und bei Trockenheit kurzfristig sperren. Im Wald sind offenes Feuer und Grillen ohnehin tabu. Picknicken ist fast überall möglich – nehmen Sie Ihren Müll wieder mit, vor allem Glas.
Für Hunde gilt in Grünanlagen in der Regel Leinenpflicht; frei laufen dürfen sie nur in ausgewiesenen Auslaufgebieten, etwa in großen Teilen des Grunewalds. Eigene, strengere Regeln gelten in den Gärten mit Eintritt und in den Schlossparks (siehe Schlösser & Potsdam).
So kommen Sie hin
- S + Bus
Bellevue / Großer SternVom S-Bahnhof Bellevue rund eine Viertelstunde zur Siegessäule; Busse halten direkt am Großen Stern.
- S + U
Tempelhof / Paradestraße / BoddinstraßeEingänge am Tempelhofer Damm, am Columbiadamm und an der Oderstraße.
- S
Treptower ParkDer Bahnhof liegt am Park, zum Sowjetischen Ehrenmal sind es rund 15 Minuten zu Fuß.
- Tram + Bus
Volkspark FriedrichshainHaltestellen an mehreren Seiten des Parks.
- Zu Fuß
Vom S-Bahnhof HeerstraßeRund eine halbe Stunde durch den Wald zum Teufelsberg und zum Drachenberg.
- U + S
Kienberg (Gärten der Welt) / Botanischer GartenSeilbahn-Talstation neben dem U-Bahnhof; zum Botanischen Garten vom gleichnamigen S-Bahnhof. Zum Britzer Garten ab U-Bahnhof Alt-Mariendorf mit dem Bus.
Linienführung und Fahrpläne ändern sich – bitte vor der Fahrt die aktuellen Verbindungsauskünfte prüfen.